Brauchtum am hohen Frauentag

Webseite vom Trachtenverein Bruckmühl

Maria Himmelfahrt in Bayern

2010 durfte ich bei der Zusammenstellung eines Faltblatts mitwirken, das der Bayer. Trachtenverband (Sachausschuß Mundart-Laienspiel-Brauchtum) zum Thema “Kräuterbuschen an Maria Himmelfahrt” erstellt hatte.

Zusammen mit Roswitha Strauß war ich damals u.a. auch auf einem Recherchebesuch bei Dr. Fleischmann in der Kurapotheke in Bad Aibling. Er hat sich auf heimische Heilräuter spezialisiert und erklärt Interessierten anhand von Kräuterwanderungen auch gern die Kräuterwelt in unserer Umgebung.

Dr. Fleischmann forscht u.a. auch an einer Dokumentation von volkstümlichen Kräuternamen wie Hemadstanzal” für Buschwindröschen oder Fraugraut” für Johanniskraut, da es leider bei uns keine Schriftstücke mehr darüber gibt.

Hier nun ein paar Auszüge aus dem Faltblatt “Kräuterbuschen zu Maria Himmelfahrt”:

“Von der Sommersonnwende bis Maria Himmelfahrt verläuft die wichtigste Kräutersammelzeit des Jahres. Heilpflanzen, die während dieser Zeitspanne gesammelt werden, übertreffen alle anderen Kräuter an Kraft – mit Ausnahme der Johanniskräuter, die an „Sonnwend“ gepflückt werden. Aus Naturschutzgründen empfiehlt es sich abzupflücken, wo die Kräuter in Fülle wachsen…”

“Das Fest Maria Himmelfahrt wurde von der Kirche gegen Ende der sogenannten „Hundstage“ gesetzt (in diese Periode fielen ursprünglich die germanischen Erntefeste). Die 30 Tage, vom 15. August (Maria Himmelfahrt) bis zum 8. September (Maria Geburt) wurden die „Frauendreißiger“ genannt. So bezeichnet man die 30-tägige Fastenzeit, die damals zu den Toten- und Fruchtbarkeitsopfern gehörten. Durch das Hochfest hat der Feiertag einen besonderen Stellenwert im Kalender. In Bayern ist er auch heute noch ein gesetzlicher Feiertag. Am frühen Morgen wird bereits ein feierliches Hochamt abgehalten. Dabei bringt man bunt gebundene Kräuterbuschen mit. Diese werden von der Geistlichkeit gesegnet und mit Weihwasser besprengt, damit Glück und Segen in jedes Haus einkehrt…”

Brauchtum

“In erster Linie gilt der Kräuterbuschen als Haussegen. Meist wird er im Hauseingang, am Esstisch oder im Herrgottswinkel aufbewahrt. Droht ein Unwetter, dann hängt man ihn verkehrt herum als Blitzschutz im Dachboden auf oder streut einige getrocknete Kräuter in das Herdfeuer. Dem Vieh wurden vor dem Almauftrieb einige Blätter vom Kräuterbuschen ins Futter gemischt, damit auf der Alm kein Unglück geschehe. Auch verstreute man geriebene Kräuter auf dem Feld, um eine reiche Ernte zu erbeten…”

“Unser liabe Frau geht übers Land, trägt in der Hand den Himmebrand”

“Reiches Brauchtum hat sich um den „Frauentag“ in Bayern bis heute erhalten. Prozessionen sind alte Formen der Festgestaltung. Im feierlichen Zug werden Muttergottesstatuen von der Bevölkerung mitgetragen und gemeinsam Marienlieder gesungen…”

“In manchen Gegenden war es das Vorrecht der Haustochter oder der ersten Magd, den Buschen zur Kräuterweihe und anschließend ins Haus zu tragen. Auch der alte Strauß wird nicht einfach arglos weggeworfen, sondern werden entweder verbrannt, die getrockneten Kräuter verwendet oder auf dem Feld und im Garten verstreut…”

Zusammenstellung

“Die Zusammenstellung eines Kräuterbuschens ist sehr unterschiedlich. Von Region zu Region wird dies verschieden gehandhabt. Früher gehörten zu einem richtigen Kräuterbuschen 77 verschiedene Gräser und Kräuter. Heute begnügen sich viele aber mit sieben Pflanzen. Diese Zahl ist ein Symbol und erinnert an die sieben Tage der Schöpfung Gottes und an die sieben Sakramente, eine alte heilige Zahl. …”

“Auf jeden Fall sollte es immer eine magische Zahl sein. Wichtig ist, dass bei jedem Büschel die Königskerze (auch „Himmebrand“ genannt) in der Mitte steht und diese aus dem Strauß herausragt. Die Kräuter werden dann einzeln oder zu mehreren herum gebunden. Zur „Auszier“ können auch einige Gartenblumen und Getreidesorten hinzugenommen werden…”

Auswahl an Kräutern

Typische Heilkräuter, die hier Verwendung finden sollten, sind z.B. Arnika, Johanniskraut, Beifuß, Rainfarn, Schafgarbe, Königskerze, Kamille, Thymian, Baldrian, Engelwurz, Klee, Lavendel, Baldrian, Eisenkraut, Spitzwegerich, Goldrute, Frauenmantel, Mädesüß, Wegwarte, Dost, …


Quelle: Faltblatt “Kräuterbuschen zu Maria Himmelfahrt”, Bayer. Trachtenverbandes

Text + Fotos: Alexandra Url
Text vom Faltblatt: Roswitha Strauß